
Horst Hoppe steht 2019 im Einnehmerhaus Freital neben seinem mehrfarbigen Holzschnitt „Wikinger - Krieger, Händler, Entdecker“ aus dem Jahre 2012. Es war seine letzte Ausstellung.
Quelle: Thomas Morgenroth
Nachruf auf einen bekannten Freitaler
Er war dem Geist des Baumes auf der Spur: Der Künstler Horst Hoppe ist tot
Der Freitaler war Mitgründer und erster Vorsitzender des Kunstvereins im Einnehmerhaus. 2021 erhielt er den Kunst- und Kulturpreis der Stadt. Nun ist er im Alter von 91 Jahren verstorben.
Thomas Morgenroth
15.04.2026, 04:15 Uhr
Freital. Im Wendeherbst 1989 sitzt eine Handvoll Männer und Frauen auf morschen Brettern hinter einer Ruine an der Dresdner Straße in Freital. Wackelige Plumpsklos hängen wie Schwalbennester an der Außenwand, der Putz ist ab, das Dach undicht, in den Fenstern fehlen die Scheiben. Die Zeichen stehen auf Abriss.
Aber nicht für Horst Hoppe. Der damals 54-Jährige hat Gleichgesinnte aus Freitals Kunst- und Kulturszene eingeladen, um ihnen seine Vision vorzustellen: die Gründung eines Vereins, dessen Domizil das Einnehmerhaus werden soll, das so heißt, weil hier an der Stadtgrenze zu Dresden einst der Zoll eingenommen wurde.
So ist es schließlich gekommen. Hoppe, zu jener Zeit Kunstlehrer an der Ernst-Thälmann-Schule in Niederhäslich, wird der erste Vorsitzende des im Frühjahr 1990 gegründeten k.u.n.s.t.-vereins Freital und bleibt es zwölf Jahre lang. Der Name ist eine Abkürzung, die Buchstaben stehen für kreativ, unikat, nützlich, sensibel und traditionell.
Ausgezeichnet mit dem Freitaler Kunst- und Kulturpreis
Es ist eine Erfolgsgeschichte geworden, an der Horst Hoppe, der bis ins hohe Alter hinein einen Schnitzzirkel leitet und an Mal- und Zeichenkursen im Einnehmerhaus teilnimmt, einen großen Anteil hat. Zum 100. Geburtstag Freitals 2021 wird er für sein ehrenamtliches Engagement mit dem Kunst- und Kulturpreis der Stadt geehrt.
Die zweite Rettung des Einnehmerhauses, dessen Fortbestand wegen brandschutztechnischer Mängel akut gefährdet war, hat der Künstler noch miterlebt. Es ist eine versöhnliche Nachricht am Ende seines Lebens. Am 19. März ist Horst Hoppe im Alter von 91 Jahren friedlich eingeschlafen. Er wird im engsten Familienkreis beigesetzt.
Holz ist seine Leidenschaft
Horst Hoppe wird am 1. November 1934 in Fördergersdorf geboren, er ist dort und in Tharandt aufgewachsen. Bei seinem Onkel Georg Hammer in Potschappel darf er als Kind zum ersten Mal schnitzen. Holz wird bald zu seiner Leidenschaft. Er wird Zimmermann wie sein Vater Paul und sein Großvater Theodor, der Ende der Dreißigerjahre dem Neuen Jägerhaus in Grillenburg den Dachstuhl aufsetzte.
Zehn Jahre lang arbeitet Hoppe für Baumeister Burkhardt in Tharandt. Aber weil Holz Mangelware ist, muss er auch beim Mauern helfen. Das gefällt ihm nicht, und er will Künstler werden. An diesem Wunsch hat der Freitaler Künstler Gottfried Bammes, der spätere Professor für künstlerische Anatomie, einen erheblichen Anteil. Bammes gründet im Eisenhammerwerk einen Mal- und Zeichenzirkel, der kurze Zeit später in das Edelstahlwerk umzieht. Einer seiner ersten Eleven ist ab 1954 Horst Hoppe.
Eigene Druckwerkstatt in der Garage
Er lernt schnitzen und den Holzschnitt lieben. Bammes ermutigt ihn zu einem Studium. Hoppe wird Lehrer für Deutsch und Kunst und bleibt seinem Beruf bis zu seiner Pensionierung 1998 treu. Nach einigen Jahren im Erzgebirge kehrt Hoppe mit seiner Frau Evelin und den Söhnen Heiko und Olaf in ihre Heimat zurück. Sie bauen auf der Oststraße in Freital eine Doppelhaushälfte – und Hoppe geht wieder in den Mal- und Zeichenzirkel des Edelstahlwerkes, den jetzt Werner Haselhuhn leitet.
Seitdem ist Horst Hoppe dem Geist des Baumes auf der Spur. In seiner Garage richtet er sich eine Druckwerkstatt ein und wird zu einem Meister des Holzschnitts. Er nutzt die gewachsenen Strukturen des Holzes für seine Drucke. Maserungen, Astlöcher oder Fraßspuren von Insekten werden Teil seiner Bilder. Seine Motive findet er in Freital, in der Sächsischen Schweiz, im Erzgebirge, in Tharandt, Norwegen oder auf der Insel Gotland.
Der Kunstverein würdigt den Künstler zu seinem 85. Geburtstag mit einer großen Ausstellung im Einnehmerhaus, das es ohne Horst Hoppe nicht mehr geben würde. Mit hohem persönlichem Einsatz, besonnen und konzentriert, wie es seine Art war, hat der hochgewachsene Zimmermann, Lehrer und Künstler seine Vision verwirklicht.
SZ
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Mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Seit 01.01.2026 ist der Verein nun Dank eines und unseren bescheidenen Möglichkeiten entsprechenden und daher sehr, sehr entgegenkommenden Kaufangebotes durch die Wohnungsgesellschaft Freital mbH (WGF) nun auch selbst Eigentümer des schönen Einnehmerhauses, einem Denkmal der Verkehrsgeschichte. Dadurch ist es uns nun auch weiterhin möglich, unsere kulturellen und künstlerischen Angebote, Zirkel und Workshops auch weiterhin zu einem vergleichbar sehr, sehr günstigen Teilnehmerbeitrag (für Kinder sogar kostenfrei) anbieten zu können. Auch für unsere Ausstellungen verlangen wir weiterhin keinen Eintritt, jeder Gast, jeder Teilnehmer und jeder Besucher ist bei uns herzlich willkommen.
Neben den besonderen Möglichkeiten, die unsere schönen Räumlichkeiten und unsere gut ausgestatteten Zirkelräume bieten, kommen nun aber auch mehr Pflichten und Kosten zur Unterhaltung, zur Instandhaltung und Instandsetzung des Gebäudes auf unseren kleinen, gemeinnützigen Verein zu. Insbesondere die akut notwendige brandschutzgerechte Ertüchtigungen, die wir nun Schritt für Schritt umsetzen wollen, stellt für uns eine sehr große finanzielle Herausforderung dar, dies unglücklicherweise in Zeiten knapper öffentlicher Kassen, so dass wir auch kaum auf Fördermittel zurückgreifen können.
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Hier findet man dafür eine starke Gemeinschaft sowie eine Atmosphäre, die die Seele nähren kann.
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Barbara Hornich, 08.12.1940 – 18.07.2022
Ein Nachruf
Als Barbara Hornich, geboren in Leipzig, mit ihrer Familie im Krieg ausgebombt, auf einem Dorf im Tharandter Wald aufgewachsen und viele Jahre als Lehrerin an einer Freitaler Förderschule tätig, zum Jahresbeginn 2002 zur Vorsitzenden des k.u.n.s.t.- verein Freital e.V. gewählt wurde, ahnte sie sicher nicht, dass sie die folgenden über 20 Jahre diesen Verein nicht nur leiten, sondern auch maßgeblich prägen würde. Obwohl selbst Gründungsmitglied und langjährige Geschäftsführerin des k.u.n.s.t.- verein Freital e.V. war diese neue Funktion für sie ein, wie sie es selbst einmal bezeichnete, "Sprung ins kalte Wasser". Ganz wortwörtlich brach das kalte Wasser nur wenige Monate nach ihrem Amtsantritt im Jahr 2002 auch über den Verein selbst herein. Die Bilder des kleinen gelben Fachwerkhauses am Fuße des Plauenschen Grundes, komplett umschlossen von den reißenden Fluten der wilden Weißeritz, gingen um die Welt.
Das Hochwasser der Weißeritz hatte eine Ecke in der vorderen Hausfront herausgerissen, auch der Fortbestand des Vereins stand kurzzeitig auf der Kippe, aber die tapfere und resolute Frau mit den markanten roten Haaren kämpfte um den Wiederaufbau des Hauses und für den Weiterbetrieb des Vereins. Vor allem dank großer privater und öffentlicher Hilfen und Spenden sowie der umfangreichen Eigenleistungen der Mitglieder konnte der Schaden schnell behoben und die Holztür im historischen Sandsteingewände mit der heiteren Kuhglocke, die jedes Mal unüberhörbar läutet, wenn neue Gäste im Haus sind, wieder geöffnet werden: für die unterschiedlichen künstlerischen Zirkel unter fachkundiger Anleitung für begabte Laien sowie für die vielen regelmäßigen Ausstellungen im Haus. Etwa 120 Einzel- und Gruppenausstellungen konnten in den folgenden zwanzig Jahren unter ihrer klugen Leitung im Einnehmerhaus für eine interessierte Öffentlichkeit gezeigt werden.
Gerade diese vielen und gut kuratierten Ausstellungen, oft mit regionalem Bezug, lagen Barbara Hornich ganz besonders am Herzen. Es gelang ihr dabei immer wieder, sehr renommierte Künstler einzuladen. Der Ausstellungsbetrieb in den vier zusammenhängenden, fast kabinettartigen Räumen im ersten Obergeschoss des Einnehmerhauses hat sich inzwischen zu einem eigenen und festen kulturellen Bestandteil der Stadt Freital entwickelt, dessen Ruf weit über die Stadt hinausreicht. Hier ausgestellt haben zu dürfen, gilt inzwischen unter Künstlern als heimliche Ehre, auch das war ihr besonderer Verdienst. Mit ihrer warmen und verbindlichen Art wurde Barbara Hornich, die diese Ausstellungen immer von der ersten Vorbesprechung mit den Künstlern über die Hängung der Bilder bis hin zu den persönlichen Einführungsworten bei den Eröffnungen selbst betreute, zu einer wichtigen Netzwerkerin in der lokalen Kunst- und Kulturszene. Auch einige junge Künstler aus Freital hatten hier im Einnehmerhaus, u.a. in den Mal- und Zeichenzirkeln selbst ihre ersten intensiveren Begegnungen mit der Kunst und genau hier ihre eigene Liebe und die nötige Begeisterung für einen Weg als eigenständiger Künstler entdeckt.
Barbara Hornich war vielen Freitalern auch durch ihre unverkennbaren Keramiken bekannt, mit denen sie regelmäßig auf dem Weihnachtsmarkt im Hof von Schloss Burgk stand, um die Vereinsarbeit zu unterstützen. Neben ihrer umfangreichen Arbeit als Vereinsvorsitzende, der unermüdlichen Planung und Organisation der Ausstellungen, der sonstigen mühseligen administrativen Arbeit, angefangen von den jährlichen Fördermittelanträgen bis hin zur Erledigung tausend kleiner Handgriffe, die im alltäglichen Vereinsbetrieb zu oft übersehen werden, leitete Barbara Hornich mehr als zwei Jahrzehnte auch regelmäßig die Keramikzirkel des Vereins. In den letzten Jahren trafen sich hier jeden Dienstag und jeden Mittwoch feste Gruppen zum gemeinsamen Töpfern.
Erst spät wurde Barbara Hornich mit ihren eigenen Gefäßen auch als besondere und vor allem eigenständige Künstlerin bekannt und vor allem anerkannt. Ihre typisch exklusiven, erdigen, entweder ausladend großbauchigen oder schmalen, flötenartigen Vasen und Gefäße in der schlichten wie spannenden Aufbaukeramik, oft ohne bzw. mit nur sehr sparsamer Glasur, erinnern an moderne Interpretationen ganz archetypischer Keramik früher Kulturen und berühren jeden Betrachter mit ihrer natürlichen Schmucklosigkeit und Bodenständigkeit sehr. Auch bei ihrer, der breiten Öffentlichkeit eher weniger bekannten Malerei und in ihren Zeichnungen war sie ebenso immer wieder auf der Suche nach dem Wesentlichen und dessen klarer und reduzierter Interpretation bzw. Abstraktion. Umso erfreulicher, dass ihre Arbeiten wiederholt in einigen eigenen Ausstellungen angemessen gewürdigt werden konnten.
Gern erzählte sie Gästen und Freunden auch die Geschichte des Einnehmerhauses selbst, das seiner früheren und das seiner heutigen Nutzer sowie die besondere Geschichte des so genannten "Einnehmers", jener schwarz- weißen Holzplastik von Hans Scheib, im Übrigen ein besonderes Geschenk des Künstlers an den Verein. Diese Figur, die im Eingangsbereich jeden Besucher begrüßt und ihm seine blecherne Schale unter die Nase hält, erinnert auch daran, dass die Arbeit für die Kunst und für den Erhalt eines reichhaltigen kulturellen Lebens jenseits aller auf rein wirtschaftliche Aspekte ausgerichteten Kunstmärkte nur durch die freigiebige Unterstützung, das persönliches Engagement und vor allem durch die große ehrenamtliche Arbeit von solchen außergewöhnlichen Menschen wie Barbara Hornich erst möglich ist.
Ihre letzte Veranstaltung im Verein kurz vor ihrer Abreise in den Urlaub war ein Konzert im Rahmen der Kulturalltage 2022 im dem noch zuvor als Bühne umgebauten Holzschuppen im Außenbereich des Hauses. Es sollte auch eine programmatische und inhaltliche Ergänzung der soliden Vereinsarbeit sowie ein Schritt zur Öffnung des Einnehmerhauses auch für ein breiteres Publikum sein, sie hatte sich so sehr darüber gefreut. Nach den zwei langen und schwierigen Jahren Coronapandemie war sie, an jenem sonnigen und milden Juniabend auch selbst wieder sichtlich froh und mutig. Die Vorabsprachen für die neue Ausstellung im September nach ihrem Urlaub waren ebenfalls bereits abgeschlossen, es sollte mit Grafiken von Siegfried Berndt auch für sie ganz persönlich eine Wiederbegegnung mit dem Tharandter Wald werden, in dem sie ja selbst aufgewachsen war. Ihre anschließende Reise in den lange ersehnten und verdienten Urlaub wurde jedoch eine Reise ohne Wiederkehr.
Wir sind bestürzt und unendlich traurig. Die Lücke, die Barbara Hornich mit ihrem Tod im Verein reißt, ist nicht zu schließen. Trotzdem werden wir diesen Verein ganz in ihrem Sinne mit großer Dankbarkeit sowie in Achtung gegenüber ihrer unermüdlichen Arbeit weiterführen.
Die Mitglieder und der Vorstand des k.u.n.s.t.-verein Freital e.V.


